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Eine Anekdote auf die Zeit in Pyongyang

Ich muss schon sagen, dass mir die Idee, die Erde könne eine Scheibe sein, sehr gut gefällt. Es gibt Zeiten im Leben, da ist es nämlich sonderbar verwirrend, mit dem Umstand der „Kugel“ umzugehen. Solche Zeiten liegen in den letzten siebzehn Tagen hinter uns.

Hole mal etwas aus. Heute endeten die Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Als Autor und Blogger sitze ich in Deutschland. Genauer, in Europa. Zur Kommunikation mit Carol in Canada (genauer British Columbia) ist eine Zeitverschiebung von minus 9 Stunden zu beachten. Während sie jetzt gerade am Mittagstisch sitzt, schreibe ich noch fix ein zwei Absätze, um danach ins Bett zu gehen, weil der Wecker bereits um 5:40 Uhr (Montag) klingelt.

Wenn hier der Wecker um 5:40 Uhr klingelt ist es bei Carol viertel vor 9 am Sonntagabend und sie könnte, ich weiß sie würde, gerade Tatort schauen, wenn dieser in Ihrer Gegend gesendet würde. Das gleiche Rechenspiel hatten wir heute schon einmal, als ich ihr um 14:00 Uhr ein „Hey guys, hope you’re back well at home?!“ sendete. Der Umstand, dass sie umgehend antwortete hat mich zuerst gar nicht wirklich überrascht, doch nach genauerem Nachdenken schrieb sie ihre Antwort um 5 Uhr morgens.

Pyongyang seinerseits ist (von hier aus) im Moment 7 Stunden und 30 Minuten voraus, da wir derzeit noch in der Winterzeit leben. Es zeigt sich bereits jetzt, wieso die Erde als Scheibe eine Menge Vorteile hätte, dazu später.

Bis Mitte der Woche war Carol in Pyongyang, und schon alleine der Versatz von 30 Minuten zu mehreren Stunden macht mich verrückt. Am Tag ihres Rückfluges jedoch gab es Rechenspiele, die dafür gesorgt haben, dass ich froh bin, dass wir vorerst damit durch sind. Ein üblicher Flug zwischen Pyongyang und Vancouver dauert im günstigen Fall 20 Stunden, im schlechtesten Fall knapp zwei Tage. Nehmen wir an, sie startete in Südkorea um 10 Uhr morgens am Mittwoch, war es in Deutschland 2:30 Uhr morgens und in Vancouver 17:30 Uhr am Dienstagabend.

Addieren wir die Reisezeit (das waren 31 Stunden mit allem), betrat sie heimischen Boden um 17 Uhr am Donnerstag (nach Zeitzone Südkorea), um 9:30 Uhr (nach deutscher Winterzeit) und 0:30 Uhr am frisch gestarteten Donnerstag in Canada.

Wenn ich üblicherweise morgens im Büro, sagen wir um 9:00 Uhr, eine Nachricht von ihr lesen würde, liegt sie bereits im Bett und mit einer Antwort – auch 9:00 Uhr morgens, wäre hier um 18:00 Uhr zu rechnen. Beliebige Abstimmungen sind da immer so eine Sache, aber man arrangiert sich damit. Anders nun in den letzten Tagen. Hätte ich morgens um 9:00 Uhr eine Nachricht von ihr geöffnet, lebte sie bereits um 16:30 Uhr am gleichen Tag. Ein angenehmeres Zeitfenster beiderseits für Folgekommunikation.

Was soll jetzt das Thema mit der Scheibe? Ich behaupte einfach, wäre die Erde eine Scheibe, würde sich zwar das umständliche Drehen nicht erübrigen – ein Tag- und Nachtrhythmus sollte erhalten bleiben, wohl aber das Gerechne mit den Zeitzonen.

Scheibe, Sonne dreht über den Rand, der Nachtschatten legt sich zügig über alles. Scheibe, Sonne dreht von unten nach oben über den Rand, das Licht legt sich zügig über alles. Klar ist es absurd und eigentlich ist auch die Thematisierung des ganzen völlig überflüssig, aber die Auswirkungen der Zeitverschiebung lässt mich gerade träumen.

Es war eine schöne Zeit, es gab viel zu Lachen, viel zu Lesen, zu Tippen. Machs gut Olympia.

P. S. in zwei Wochen beginnen die Winter-Paralympics 2018, selbstverständlich auch in Pyongyang. Allen Teilnehmern, Teams und Helfern eine schöne Zeit.

 

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